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Weitergeben statt Wegwerfen: Wie Kreislaufwirtschaft Müllprobleme lösen will

Die Kreislaufwirtschaft soll helfen, Müll zu vermeiden und Produkte so lange wie möglich zu gebrauchen. Damit der Systemwandel gelingt, benötigt es jedoch ein Umdenken.

Unsere herkömmliche Wirtschaftsform funktioniert linear. Das heißt: Es werden Ressourcen abgebaut, zu einem Produkt verarbeitet, es wird verkauft, verwendet und entsorgt – wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Die problematischen Folgen davon sehen wir überall: Abfall, Umweltbelastungen, Rohstoffverknappung.

Produkte möglichst lange gebrauchen

Die Kreislaufwirtschaft oder Circular Economy geht von endlichen Ressourcen aus und möchte Materialkreisläufe möglichst schließen. Ziel dieses ganzheitlichen Ansatzes ist, Müll zu vermeiden, Lebenszyklen von Material und Produkten zu verlängern und Ressourcen so lange wie möglich und mit dem höchstmöglichen Wert in Gebrauch zu halten.

Die gemeinnützige Ellen MacArthur Foundation, die Kreislaufwirtschaft fördert, beschreibt sie als ein System mit dem Ziel, „Wachstum neu zu definieren und sich auf den positiven Nutzen für die gesamte Gesellschaft zu konzentrieren. Dazu gehört die schrittweise Entkopplung der Wirtschaft vom Verbrauch endlicher Ressourcen und die Reduzierung von Abfall.“ Vorbild ist die Natur, etwa wenn abgestorbene Pflanzen zu Humus werden und wiederum Nährstoffe für neue Pflanzen liefern.

Wert eines Produkts schützt vor Entsorgen

Ein Grundprinzip der Kreislaufwirtschaft ist es, Material und Produkten einen Wert beizumessen, statt sie als Abfall zu deklarieren. Dinge, die einen Wert haben, werden wir nicht einfach entsorgen. Wenn wir so denken, dann ist beispielsweise ein Kleidungsstück plötzlich so wertvoll, dass Wegwerfen nur im äußersten Notfall eine Option ist. Vorher kann Weitergeben, Flicken, Upcyceln, Wiederaufbereiten oder als letzte Möglichkeit auch Recyceln erwogen werden, um die Ressourcen daraus für neue Kleidungsstücke zu verwenden.

Die Kreislaufwirtschaft beginnt bereits beim Designen und Entwickeln von Produkten. Wie sie reparaturfähig und dauerhaft einsatzfähig sind, muss beispielsweise von Anfang an mitgedacht werden. Fehlt dieser Gedanke beim Entwickeln der Produkte und Dienstleistungen, dann kratzen wir nur an Symptomen.

Systemwandel nötig, damit Kreislaufwirtschaft gelingt

Verschiedene Aspekte sind wichtig:

  • Verwendung nachwachsender, klima- und umweltfreundlich gewonnener Rohstoffe
  • Einsatz erneuerbarer Energien
  • Auf Langlebigkeit angelegte Waren
  • Reparaturfähigkeit (z. B. Elektronikgeräte)
  • Wiederverwendbarkeit (z. B. Pfandflaschen)
  • Trennbarkeit der enthaltenen Rohstoffe für das Recycling
  • Anbindung an Recycling-Systeme

Im linearen Wirtschaftssystem werden einzelne Produkte und Dienstleistungen isoliert behandelt. Die Baumwollernte für eine Jeans hat beispielsweise nichts mit ihrem Verkauf zu tun. Im zirkularen Denken hingegen gilt jeder Schritt als Teil eines Systems, an dem verschiedene Akteure beteiligt sind: Jemand designt ein Kleidungsstück mit dem Ziel einer langen Nutzungsdauer, andere übernehmen die umwelt- und sozialverträgliche Herstellung, weitere Akteure kümmern sich um Verkauf und schließlich den möglichst langen Gebrauch, etwa durch Reparatur, Weitergabe im Secondhandshop oder einen Verleih. Jeder einzelne Schritt wird wertgeschätzt, weil er zum Gelingen der Kreislaufwirtschaft beiträgt.

Text: Debora Alder-Gasser