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Fair gehandelt?! So zuverlässig ist das Fairtrade-Siegel

Das Fairtrade-Siegel ist vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern bekannt. Doch wer profitiert wirklich davon? Ein Blick hinter die Kulissen.

Ana Cristina lässt ihren Blick über ihre Kaffeefarm in Minas Gerais in Brasilien schweifen. „Das Wetter ist merkwürdig geworden, die Klimakrise ist voll da“, sagt sie. „Manchmal regnet es zu viel, dann wieder gar nicht. Dann ist es zur falschen Zeit extrem heiß. Das macht uns zu schaffen.“ Um der Hitze vorzubeugen, pflanzt die Kaffeebäuerin Schattenbäume an – hohe Rizinussträucher, die die empfindlichen Kaffeepflanzen vor Hitze schützen und später zu Dünger verarbeitet werden. Unterstützt wird Ana Cristina dabei von ihrer Kooperative – und von Fairtrade.

Ana Cristina ist eine von zwei Millionen Produzentinnen und Produzenten in 70 Ländern, die von der „Fairtrade-Prämie“ profitieren. Das Fairtrade-Siegel ist ein wichtiges Instrument zur Förderung des fairen Handels und zur Unterstützung von Produzenten in Entwicklungsländern. Es hilft Verbraucherinnen und Verbrauchern, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen und zu einem gerechteren und nachhaltigeren Handel beizutragen. Das Siegel garantiert, dass das Produkt bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Standards erfüllt. Es bezieht sich dabei auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung, darunter Maßnahmen zum Klimaschutz (SDG13), die Förderung von Frauen und Jugendlichen (SDG5 und SDG10) sowie der Schutz der Menschenrechte von Arbeiterinnen und Arbeitern sowie Kindern (SDG8).

Zu den Standards gehören faire Preise für Produzentinnen und Produzenten, denn sie erhalten einen Mindestpreis für ihre Waren, der ihnen hilft, ihre Kosten zu decken und einen vernünftigen Lebensstandard zu erreichen. Die Standards gewährleisten faire Arbeitsbedingungen, Schutz vor Kinderarbeit und Diskriminierung sowie ein Recht auf Tarifverhandlungen. Ebenfalls wichtig ist, dass Fairtrade-Produkte nach umweltfreundlichen Anbaumethoden hergestellt werden. Fairtrade fördert langfristige Handelsbeziehungen zwischen Produzenten und Händlern und stellt dadurch eine ökonomische Stabilität sicher. Das Siegel ist sowohl auf Lebensmitteln wie Bananen, Tee, Kaffee, Zucker und Reis zu finden als auch auf Erzeugnissen, die diese Lebensmittel beinhalten, wie zum Beispiel Schokolade. Darüber hinaus gibt es spezielle Fairtrade-Siegel für Blumen, Baumwolle und Gold.

Start im 20. Jahrhundert

Fairtrade-Marken sind in 170 Ländern eingetragen. In Deutschland sind 8.500 Produkte mit dem Fairtrade-Siegel erhältlich. Erzeugerorganisationen, die ihre Produkte über Fairtrade verkaufen, erhalten zusätzlich zum Mindestpreis die Fairtrade-Prämie, die sie in Projekte ihrer Wahl investieren können. Der Verkauf von Fairtrade-Produkten in Deutschland ergab 2023 eine Prämie von 42 Millionen. Diese Prämie steckt Fairtrade in derzeit 150 Programme weltweit, um Produzentinnen wie Ana Cristina zu unterstützen.

Die Fairtrade-Bewegung begann bereits in den 1940er Jahren mit der Gründung von Organisationen wie Ten Thousand Villages in den USA. In Deutschland entstanden in den 1970er Jahren die ersten Fairhandelsorganisationen wie die GEPA, die heute der größte europäische Importeur fair gehandelter Produkte ist. Ausschlaggebend dafür waren unter anderem die Hungermärsche von kirchlichen Jugendverbänden in Deutschland. 1992 wurde in Deutschland TransFair e. V., heute Fairtrade Deutschland, gegründet, um den fairen Handel weiter zu verbreiten. 1997 folgte die Gründung von Fairtrade International, die die internationale Zusammenarbeit zwischen den Fairtrade-Organisationen stärkte.

„Mischen is possible“ – der Mengenausgleich

Manchmal ist es nicht möglich, zertifizierte und nicht zertifizierte Rohstoffe während der Weiterverarbeitung getrennt zu halten. Dies gilt zum Beispiel für Kakao, Zucker, Fruchtsäfte und Tee. Um hier bei jedem Verarbeitungsschritt eine strikte Trennung zwischen fairen und nicht-fairen Produkten durchführen zu können, müssten die Kleinbauern-Kooperativen sehr hohe Mengen produzieren oder über eigene Verarbeitungsanlagen verfügen.

Die meisten können sich die Anlagen finanziell aber nicht leisten. Anstatt den Bäuerinnen und Bauern in solchen Fällen den Verkauf ihrer Fairtrade-Produkte zu verweigern, bietet Fairtrade den Mengenausgleich an: Fairtrade-Kooperativen erhalten weiterhin Fairtrade-Mindestpreis und -Prämie für genau die Menge, die sie verkauft haben – und Unternehmen dürfen nur die entsprechende Menge ihrer Produkte mit Fairtrade-Siegel ausloben. Kontrolliert wird dies von der unabhängigen Zertifizierungsgesellschaft FLOCERT.

fairtrade-Siegel in der Kritik

Der Begriff „fair“ ist nicht rechtlich geschützt, daher gibt es keine allgemeinen Vorgaben, was „fair“ im Detail bedeutet. Die bezahlten Mindestpreise gewährleisten nicht für alle Produzenten ein existenzsicherndes Einkommen. Der oben beschriebene Mengenausgleich steht ebenfalls in der Kritik der Verbraucherschützer. Hier fehlt teilweise die Transparenz, zu welchem Anteil das Produkt fair gehandelte Komponenten beinhaltet. Zwar muss die Vermischung mit konventionellen Rohstoffen auf der Verpackung angegeben werden, allerdings geschehe das laut Verbraucherzentrale oft nur versteckt oder in kleiner Schrift, so Verbraucherschützerin Caroline Brunnbauer.

Das fairtrade-Siegel im Vergleich

Die Begriffe „Öko“ und „Bio“ sind im Vergleich zu „fair“ gesetzlich geschützt. Ein Produkt aus fairem Handel erfüllt nicht zwangsläufig den Bio-Standard. Doch zwei Drittel der Fair-Trade-Produkte sind mittlerweile biologisch hergestellt und 75 Prozent der Produkte mit GEPA-Siegel entsprechen den Bio-Vorschriften. Das Fairtrade-Siegel gehört zu den vertrauenswürdigsten Siegeln von Lebensmitteln und anderen Produkten in Deutschland. Daneben gelten das „Naturland“-Siegel und „Hand-in-Hand“, das Ökosiegel von Rapunzel, als sehr zuverlässig.

Die Fairtrade-Siegel im Überblick

1. Das Standard-Fairtrade-Siegel
Alle Inhaltsstoffe entsprechen den Fairtrade-Standards. Diese Produkte sind vom Verkaufsregal bis zu den Produzentinnen und Produzenten vollständig rückverfolgbar. Auf Produkten mit nur einem Inhaltsstoff zu finden wie etwa Kaffee, Reis oder Bananen.

2. Fairtrade-Siegel mit Pfeil
Auf der Rückseite der Verpackung erfährt der Konsument mehr über die Zutaten und die Beschaffung des Produkts. Dieses Siegel wird für Produkte verwendet, die aus mehreren Zutaten bestehen, also mit Mengenausgleich verarbeitet wurden, wie Kekse oder Eiscreme. Der Mindestanteil an Fairtrade-Zutaten beträgt 20 Prozent, aber viele Unternehmen gehen darüber hinaus.
Daneben gibt es noch Fairtrade-Siegel für spezifische Produkte wie Baumwolle (Fairtrade Cotton-Siegel), Textil-Produkte (Fairtrade Textile Production-Siegel), Gold (Fairtrade Gold-Siegel), Kosmetik (diese Produkte tragen das Siegel zusammen mit dem Hinweis „contains Fairtrade ingredients“)

3. Das weiße Fairtrade-Siegel
Dieses Siegel zeigt an, dass der auf dem Etikett aufgezählte Inhaltsstoff aus fairem Handel stammt, zum Beispiel der Kakao in den Frühstücksflocken.

Weiterführende Informationen: fairtrade-deutschland.de

Catharina Bihr ist Bildungsreferentin für Freiwilligendienste und freie Autorin.