Too good to go: Gut gegessen statt weggeschmissen
Einfach, günstig und digital – Lebensmittel retten und dabei satt werden ist gar nicht schwer. Tim Bergen hat es ausprobiert.
Hast du heute schon im Supermarkt Obst und Gemüse gekauft? Oder warst beim Bäcker? Denk dran: Viele Lebensmittel, die du dort gesehen hast, landen am Abend in der Tonne. In Deutschland werden jährlich circa 10 Millionen Tonnen Lebensmittel entsorgt. Zum Vergleich: Der gesamte Lebensmittel-Müllberg des Jahres wiegt etwa 33-mal so viel wie der Kölner Dom. Es müsste doch eine Möglichkeit geben, Lebensmittel über eine Plattform, zum Beispiel einer App, zu retten. Und … das gibt es schon!
App gegen Lebensmittelverschwendung
Too Good To Go ist eine App, die es ermöglicht, überschüssige Lebensmittel zu einem reduzierten Preis zu kaufen. Bäckereien, Supermärkte, Tankstellen, Restaurants und andere Betriebe bieten dort die Reste des Tages an. Diese dürfen oft aus hygienischen Gründen nicht mehr an die Tafel weitergegeben werden. Nutzerinnen und Nutzer können in der App die verfügbaren Angebote in ihrer Nähe einsehen, eine Tüte beziehungsweise Mahlzeit reservieren und dann zu einer festgelegten Zeit abholen. Das habe ich über einen längeren Zeitraum ausprobiert.
Einfach und lecker
Dabei habe ich verschiedene Angebote genutzt. Besonders gut fand ich die Auswahl der Bäckereien und Buffet-Restaurants. Ich bin ehrlich: Als Volontär habe ich auch auf das Preis-Leistungs-Verhältnis geachtet und wurde nicht enttäuscht. Das Essen war günstig, frisch und hat meistens noch für den nächsten Tag gereicht. Gammelnde Rauchschwaden habe ich nie gesehen.
Eine typische Bestellung und Abholung über Too Good To Go läuft so ab: Es ist 13 Uhr. Ich schaue in die App, um die Angebote des Tages zu checken. Dort sind viele Betriebe, die regelmäßig Lebensmittel anbieten. Das Angebot für ein Abendbuffet ist noch nicht ausgebucht. 6,90 Euro, 22 Uhr Abholung – passt für mich. Ich reserviere und bezahle direkt in der App. Kurz vor 22 Uhr fahre ich zum Restaurant. Es sind nur noch wenige Besucher dort, das Buffet hat schon geschlossen. Der „normale“ Gast zahlt hier knapp 30 Euro. Ich warte am Eingang. Ein kleiner Springbrunnen schafft eine angenehme Atmosphäre und leise Musik plätschert vor sich hin. Nach fünf Minuten kommt ein Kellner und checkt meine Reservierung. Dann darf ich ans Buffet. Dort warten gebratenes Gemüse, Frühlingsrollen, gebackenes Hähnchen, Nudeln, Lasagne und vieles mehr. Ich darf meine gesamte Tupperdose befüllen. Bei der Menge an Essen würde eine ganze Fußballmannschaft satt werden. Meine Box füllt sich immer mehr mit dampfenden Leckereien. Neben mir bedienen sich weitere Personen, die über die App eine Mahlzeit reserviert haben. Nach ein paar Gängen habe ich das Essen für etwa zwei Mahlzeiten verstaut. Bei einem letzten Blick aufs Buffet wird mir bewusst, dass der Rest – eine große Menge – weggeschmissen wird. Trotzdem verlasse ich mit einem guten Gefühl das Lokal. Es ist eine Win-Win-Win-Situation: Die Umwelt profitiert davon. Die Gastro-Betreiber müssen weniger entsorgen und ich habe leckeres Essen für einen guten Preis gerettet.
Tim Bergen ist Content Manager im SCM Bundes-Verlag. Den Beitrag schrieb er während seines Volontariats.

