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Das Tiny House von Alex und Lena, Foto: Privat

Tiny House: Alex‘ Familie wohnt auf 25 Quadratmetern

Alex und seine Familie können ihr Haus wortwörtlich durch die Gegend fahren. Das Zusammenleben auf kleinstem Raum empfinden sie als unproblematisch.

Alex wohnt seit 2020 mit Frau, Kleinkind und zwei Katzen auf 25 Quadratmetern im Tiny House. Bereits in ihrer vorherigen Drei-Zimmer-Wohnung in der Großstadt beschlossen sie: „Zeit für die Kinder und Familie ist uns wichtiger als Karriere.“ So verkürzten sie ihre Arbeitszeiten. Ein traditionelles Haus ist auf diese Weise allerdings schwer finanzierbar. Alex‘ Frau Lena träumte schon lange von einem Tiny House – und nach einem Wochenende Probewohnen war auch Alex überzeugt.

Als das Angebot kam, am selben Ort einen eigenen Tiny House-Stellplatz zu bekommen, griffen sie zu: „Irgendwann gingen uns die Argumente aus, warum wir es nicht tun sollten“, erzählen sie und sehen viele Vorteile: „Wir mussten uns bei der Bauplanung nicht auf einen Wohnort festlegen, obwohl wir was Eigenes haben wollten. Wir zahlen keine Miete mehr und sind dennoch flexibel. Für unser Haus reichte ein kleinerer Kredit aus, als für ein normales Haus notwendig gewesen wäre.“

Jeder Quadratmeter gut genutzt

Außerdem mache es ihnen Spaß, klein zu wohnen und kreative Lösungen zu finden: „Es ist toll, wie klug jeder Quadratmeter des Hauses genutzt wird. Es fühlt sich ein bisschen nach dauerhaftem Campingurlaub an – nur besser.“ Alex und Lena lieben es, in der Natur zu leben, viel draußen zu sein, Lagerfeuer zu machen – „und weniger Kram zu besitzen!“

Eine Schreinerei baute ein mobiles Häuschen auf Rädern, mit dem die beiden mittlerweile sogar schon ihren Wohnort gewechselt haben. Ohne großen Aufwand konnte es an einen anderen Ort geschafft werden. Damit gelten für sie rechtlich sogar zwei verschiedene Verordnungen: Um in ihrem Tiny House wohnen zu können, mussten sie einen Bauantrag stellen und unterliegen wie bei einem normalen Wohnhaus der Bauordnung des jeweiligen Bundeslandes. Sobald sie ihr Haus transportieren wollen, fällt es unter die Straßenverkehrsordnung und muss – wenn es fest mit dem Anhänger verbunden ist – als Wohnwagen zugelassen werden, sonst als Ladung.

Baugenehmigung ist Hürde

Die größte Hürde zum Traum vom Tiny House liegt oft in der Genehmigung des Bauantrags. Wichtig sei es, das zuständige Bauamt möglichst frühzeitig in das Projekt mit einzubeziehen: „Es ist sehr schade, wenn von dem Grundstück, der Umgebung alles passt, aber das geplante Haus irgendwelche Details mit sich bringt, die dann einer Genehmigung im Wege stehen.“

Die Kosten für ein solch kleines Zuhause sind sehr verschieden. Alex und Lena haben 2020 für ihr schlüsselfertiges Haus aus hochwertigen Materialien etwa 75.000 Euro bezahlt. Fertigbausätze gibt es ab rund 10.000 Euro. Hinzu kommen dann Eigenleistungen, Kosten für Dämmung und Innenausbau.

Vierstellig zu haben

Wer sein Tiny House – vielleicht sogar aus recycelten Baumaterialien – selbst baut und mit wenig zufrieden ist, kann sogar mit einem vierstelligen Betrag zurechtkommen. Wichtig für den Bau eines Tiny Houses: ein passendes Heiz- und Lüftungskonzept. Denn Luftfeuchtigkeit und Schimmelbildung sind immer ein Thema.

Das Zusammenleben auf so kleinem Raum hingegen findet Alex unproblematisch: „Wenn einer telefoniert, geht er bei gutem Wetter raus oder wir nutzen Kopfhörer. Vielleicht haben wir aber auch die Persönlichkeiten für ein Tiny House: Um uns nach einem Streit aus dem Weg zu gehen, brauchen wir nicht mehrere Räume.“

Einen großen Wocheneinkauf verstauen oder mehrere Leute einladen? Auch im Tiny House für die beiden kein Problem. Die kurzen Wege innerhalb des Hauses und ihre Tochter immer im Blick zu haben, sind für sie sogar Pluspunkte. Wieder in ein Steinhaus zu ziehen, könnten sich die beiden nicht vorstellen – „allein schon aufgrund des Raumklimas“. Mehr Platz allerdings ist geplant: Für ihre Tochter und eventuell weitere Kinder wollen Alex und Lena zukünftig noch ein weiteres Tiny House anbauen und so ihr kleines Wohnparadies erweitern.

Von Lisa-Maria Mehrkens

Die Jurte von innen, Foto: Pirmin Bertle

Pirmin lebt mit seiner Familie in einer Jurte

Pirmin Bertle hat sich wegen des besonderen Lichts in Jurten verliebt. Die Wohnung ist günstig – aber auch ein Graubereich.

Das türkische Wort yurt bedeutet Heim. Traditionell leben zentralasiatische Nomadenvölker in solchen schnell auf- und abbaubaren Zelten mit festem Gestell. Hierzulande bilden Holzgitter das Gerüst der runden Wohnjurten. Baumwollstoffe und Filz sorgen für eine gute Dämmung und Gemütlichkeit. Die Inneneinrichtung steht der einer traditionellen Wohnung in nichts nach.

Pirmin Bertle hat sich mit seiner Familie in das Leben in einer solchen Jurte verliebt. Der Profi-Kletterer hatte schon unter freiem Himmel, in Zelten und Wohnwagen in ganz Europa und in einem Bus in Südamerika gelebt, als er mit Frau und Kind das erste Mal in einem Jurtendorf übernachtete – und so begeistert war, dass sie als Familie gleich die letzte vorhandene Jurte kauften, aufbauten und dort einzogen.

30-mal günstiger als ein Haus

Nach einem Jahr waren es schon drei Jurten, jede fünf Meter im Durchmesser und von Pirmin selbst innerhalb von zwei Monaten aufgebaut. Jurten seien 30-mal günstiger als ein normales Haus, sagt Pirmin, dafür mit „theoretisch vielen rechtlich-gesellschaftlichen Hürden“ belegt. Sie spekulierten auf Duldung, mieteten auf einem größeren Hof ein Stück Land und stellten ihre Jurten dort auf.

Gegebenenfalls kann eine Jurte als sehr großes Zelt angesehen werden und gilt dann laut Bauordnung als „fliegender Bau“, also als architektonische Anlage, die an verschiedenen Orten mehrfach und zeitlich befristet aufgestellt und wieder abgebaut werden kann. Doch vor allem, wenn man eine größere Jurte als dauerhaften Hauptwohnsitz an einem Ort nutzen will, ist rechtlich eine Baugenehmigung nötig. Oft befindet sich die Nutzung in einer rechtlichen Grauzone.

Holz hacken im Schnee

Das Leben in einer Jurte hat seine Eigenheiten. Neben dem besonderen Licht sind es für Pirmin vor allem die „Nähe zum Himmel, zur Erde, zu den Pflanzen und Tieren, die mit uns diesen Ort teilen, die Leichtigkeit und Authentizität“, die diese Wohnform ausmachen. Und auch die damit verbundene Unmittelbarkeit schätzt er: Holz hacken im Schnee, um es warm zu haben. Tomaten mit eigenem Hühnermist düngen, um sie zu essen. „Das ist eine Kreislaufwirtschaft im Kleinen mit einem Heizbedarf von einem Fünftel, einem Strombedarf von einem Zehntel und einem Wasserbedarf von einem 25stel im Vergleich zum deutschen Durchschnittshaushalt“, erklärt Pirmin.

Auch die Anschaffungskosten für Jurten sind im Vergleich geradezu verschwindend gering: Laut Pirmin kosten wintertaugliche Jurten aus hochwertigen Materialien und mit viel Licht circa 3000 Euro pro Meter Durchmesser, wobei etwa ein Drittel der Kosten auf das Material entfällt. Komfortablere Wohnjurten mit Sanitärmodul und Heizung sind bereits für 10.000 bis 20.000 Euro zu haben.

Lebensqualität ist unübertroffen

Bereut hat Pirmin die Wahl seiner Behausung nie. Doch vor einem knappen Jahr beendete der Vermieter des alten Stellplatzes den Vertrag und Pirmins Jurten mussten weichen. Seitdem teilen er und seine Familie sich mit anderen ein Haus: Zehn Erwachsene und fünf Kinder leben hier zusammen.

Aufgeben will er das Jurtenleben aber nicht: Demnächst sollen wieder sechs Stück davon im Garten stehen, denn „die Lebensqualität ist in Jurten einfach unübertroffen.“ Pirmin plant, ein Unternehmen für den Jurtenbau zu gründen, um „die Idee des leichten Lebens“ zu verbreiten, wie er sagt, und natürlich: „Um mehr Menschen in den Genuss eines Rundzeltes zu bringen.“

Von Lisa-Maria Mehrkens