Susanne in Montur, Foto: Privat

Honig-Start-up: Susanne und Markus besuchen spontan einen Imker – und krempeln danach ihr Leben um

Eigentlich wollten Susanne und Markus Müller nur Urlaub machen. Doch der Ausflug überzeugt sie, eine Imkerei aufzubauen.

Eigentlich wollten sie nur „im Vorüberfahren“ eine Salbe kaufen, damals im Österreichurlaub 2014. Doch sie landeten bei jenem Imker, der sie schließlich mit seiner Begeisterung ansteckte. Susanne und Markus Müller beschäftigten sich gerade intensiv mit ihrer Zukunft. Susanne hatte Kommunikationsdesign und Markus Maschinenbau studiert. Aber als engagierte Christen wollten sie nicht nur eigenen Plänen folgen, sondern sich an Gott und seinen Gedanken ausrichten. Kaum etwas lag ihnen ferner als Honig. Den hatten sie noch nicht mal im Haus!

Doch dann blieben sie bei jenem Imker in Österreich hängen, der nicht ahnen konnte, was er mit seiner „Bienenschwärmerei“ auslöste. Susanne und Markus hörten zu, sahen sich um, ließen sich den Betrieb zeigen. Anschließend sahen sich die beiden im Auto an und wussten: Honigbienen – das wird unser Ding!

Völlige Überforderung

Zuhause in Brackenheim, 40 Kilometer nördlich von Stuttgart, krempelten die beiden Mittzwanziger gleich die Ärmel hoch: Parallel zum Imkerkurs und dem Studium von Bienenlektüre zogen bereits zwei Völker im Garten der Müllers ein. „Wir waren völlig überfordert“, lachen die beiden, als ich sie in ihrem Wohnhaus im Zabergäu besuche. Im Keller sind auch ihre zertifizierte Bioland-Imkerei und die Abfüllstation untergebracht. So einiges machte ihnen anfangs zu schaffen und vieles mussten sie erst mühsam durch Trial and Error lernen. Varroamilbe, Drohnenschneiden, Königinnenzucht – am Beginn alles noch Fremdwörter.

„Obwohl es sehr stressig war, haben sich für uns ganz viele Türen geöffnet“, staunt Markus im Rückblick. Was zunächst als Hobbyimkerei beginnt, weitet sich mit den Jahren aus. Als die drei Kinder dazukommen, nutzt Markus die Elternzeit unter anderem zum Ausbau des Betriebs, der immer mehr Raum im Leben der beiden einnimmt. Schließlich reduziert Markus seine Arbeitszeit als Ingenieur auf 80 Prozent.

Jede Menge Gottvertrauen

Dann kommt Corona und damit Kurzarbeit für Markus, was sich überraschend als eine weitere geöffnete Tür entpuppt, die sie als himmlisches Angebot wahrnehmen, den Übergang vom Neben- zum Vollerwerb anzupacken. Ihre Bienen bringen sie je nach Blütezeit an ganz unterschiedliche Standorte, manche mehrere Stunden Fahrt entfernt. „Unser Ziel sind 160 Völker“, erklären die beiden. Für ein neues Wirtschaftsgebäude haben sie gerade die Baugenehmigung erhalten. Und dabei soll es nicht bleiben, erzählt Susanne: „Ich träume von einem Naturgarten mit Bienenlehrpfad, der Stauden, Sträucher, Obstbäume sowie Rückzugsorte für Tiere und Insekten bieten soll.“

Das erste Jahr als Berufsimker stellte sie in diesem Jahr aber auch vor Zweifel und innere Kämpfe: Das Frühjahr und der Sommer waren extrem verregnet, die Ausbeute war wesentlich geringer als erhofft. Doch sie bleiben dran und ich staune über ihren Mut, den sie aus ihrem Glauben beziehen: „Wir setzen unser ganzes Vertrauen in Gottes Zusagen“, erklärt Markus.

Jeder Honigname hat eine Bedeutung

Und davon soll auch ihr Name „Werthonig“ erzählen. Am Esstisch der Müllers darf ich das Bienengold testen. Vor mir aufgereiht stehen Gläser, versehen mit Etiketten, die Wertmarken ähneln. Jede Honigsorte trägt einen besonderen Namen. Der duftige Lindenblütenhonig zum Beispiel heißt „Friede“. Markus erntet diesen Honig am Heilbronner Neckarufer unter Linden – und wo könnte man mehr Frieden finden als abseits von Straßenlärm? Der dunkle Weißtannenhonig trägt den Namen „Geduld“, weil dieser nur alle paar Jahre geerntet werden kann. Ihr Akazienhonig heißt „Hoffnung“, eine Anspielung auf die Empfindlichkeit der Blüte. Zudem steht auf jedem Etikett ein zu den jeweiligen Namen passender Bibelvers. Müllers hoffen vor allem, dass ihr Honig verschenkt wird: „Ein Glas Hoffnung oder Geduld für einen Freund im Krankenhaus: Das spricht seine eigene Sprache“, erklärt Susanne den Kern ihrer Vision. Honig ist hier also nicht nur süßer Brotaufstrich, sondern ein greif- und schmeckbarer Beweis für Gottes Fürsorge in jeglicher Hinsicht.

Und auch ich werde versorgt. Susanne und Markus schenken mir von jeder Honigsorte ein Glas und als ich nach Hause fahre, haben auf dem Beifahrersitz Vertrauen, Geduld, Hoffnung, Fülle, Trost, Freude, Liebe, Kraft und Geborgenheit Platz genommen. Letzteres, eine Honig-Zimt-Mischung, rühre ich abends meinen Kindern in ihre heiße Milch und muss denken, wie sehr sie göttliche Geborgenheit gebrauchen können und wie schön es ist, dass es Menschen gibt, die gleich mehrere Leidenschaften so sympathisch zusammenbringen.

Veronika Smoor ist Autorin, Referentin und Hobbygärtnerin. Mehr über Werthonig: werthonig.de